2019-06-14

Wie Nachfragen die eigenen Chancen erhöht

Kurz vor dem Schreiben des Blogposts hörte ich einen Podcast. Der amerikanische Sprecher berichtete, dass er durch eine einfache E-Mail einen Studienplatz an einer begehrten Universität bekommen hatte. Wie hat er das gemacht?

Vorher hatte er bereits eine Absage genau dieser Universität erhalten. Er war am Boden zerstört und beschloss eine E-Mail an den Studiengangsleiter zu schreiben. Die Reaktion der Universität war positiv. Der Studiengangsleiter hatte zum ersten Mal nach der Absagerunde eine derartige Email erhalten. Als wenig später durch einen abgesprungenen Bewerber ein Platz frei wurde, bekam ihn der Sprecher, weil er mit der Email in Erinnerung geblieben ist.

Was ist also alles möglich, wenn wir uns getrauen nachzufragen?

Durch einen Blogbeitrag von Monika Birkner stieß ich kürzlich auf Jia Jiang, der eine ähnliche Geschichte wie der Podcastsprecher teilt. Jia Jiang machte mit seinem „100 Days of Rejection“- Experiment einen Selbstversuch. Der Verlauf und die Ergebnisse waren für mich so inspirierend, dass ich hier davon berichten möchte.

Die Angst vor Absagen und Ablehnung

Es begann damit, dass Jiang für sein geplantes Startup von einem Investor eine Finanzierungsabsage erhielt. Auch er war aufgrund der Absage am Boden zerstört. Daraufhin begann er sich mit den emotionalen Auswirkungen von Absagen näher zu beschäftigen und startete sein Videoblogprojekt „100 Days of Rejection“.

Jia beschloss sich einer Rejection-Kur zu unterziehen. Er nahm sich vor, 100 Tage lang bewusst eine Absage pro Tag zu erhalten. Das wollte er mit den unterschiedlichsten, teils sehr kuriosen, Aufgaben und Fragen erreichen. Seine selbstverordnete Kur nahm er auf Video auf. Die Liste mit den Absagen und den Videos gibt es hier.

Neben dem Selbstversuch recherchierte er wissenschaftliche Literatur. Und er stellte fest, dass Absagen und Ablehnungen in unserem Gehirn in dem Areal des physischen Schmerzes „landen“. Wir leiden also nach einer Absage tatsächlich körperlich.

Das erste Ja

Seine wohl mittlerweile bekannteste Challenge ist die von Tag drei. An dem Tag beschloss er, in einem Donut-Shop Donuts in der Form der olympischen Ringe zu erfragen.

Zu seiner Überraschung bekam er nicht die „erhoffte“ Absage, sondern Jackie, die seine Bestellung aufnahm, überlegte ernsthaft, seinem Wunsch nachzukommen. Nach einigen Rückfragen zauberte sie ihm die gewünschten Donuts in der Form und den Farben der olympischen Ringe.

Welch sprachloses Erstaunen von Jiang, der vermutlich erstmalig ein Gefühl dafür bekam, welche Möglichkeiten sich hinter einer einzigen mutigen Frage verbergen. Dieser dritte Tag entwickelte sich zu dem Tag mit höchster Werbewirksamkeit für Jackie und ihn. Es folgten Presseartikel und Fernsehauftritte.

100-days-of-rejection

Fazit - Vom Schmerz zur Chance

Ich hatte vor einiger Zeit schon den TEDtalk von Jia Jiang gesehen. Nun betrachtete ich seine 100 Tage Kur im Detail und las auch sein Buch Rejection Proof (affiliate Link). Für mich war es zunehmend spannend, wie sich seine Rejection-Kur Tag für Tag zu einer Challenge entwickelte. Die Aufgaben schienen nicht mehr das Ziel „Absage“ zu verfolgen, sondern eher zu erforschen: Was ist alles möglich, wenn ich nur danach frage!

Die Challenge ist auch deshalb so bemerkenswert, weil Jiang anfängt aktiv zu werden. Er wartet nicht mehr auf das, was kommt und entwickelt mit der Zeit einen Umgang mit Absagen. Darüber hinaus erkennt er, dass Absagen eher etwas von dem Gegenüber mitteilen und in den allermeisten Fällen nichts mit ihm persönlich zu tun haben.

Er lernt, dass die Art der Fragestellung einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang haben kann. Dass es hilft, im Gespräch zu bleiben. Und, dass eine vom Absagenden angebotene Alternative der Weg zum Ziel sein kann.

Es ist an der Zeit, an dem wir alle den Mut haben sollten, mehr Fragen zu stellen… auch die, die wir schon immer mal stellen wollten, weil wir denken, dass sie hilfreich für uns sein können.