2019-10-25

Mit Appreciative Inquiry die eigene Vision schärfen

Für die Visionsbildung gibt es unterschiedliche Methoden und Ansätze. Die Appreciative Inquiry ist eine davon. Die Methode, die übersetzt wertschätzende Untersuchung oder Erkundung heißt, stammt aus den USA und wurde dort im Bereich der Organisationsentwicklung von David Cooperrider entwickelt. Der Schwerpunkt der Appreciative Inquiry liegt in ihrer wertschätzenden Untersuchung und der gegenseitigen Befragung.

Sie verfolgt die Philosophie durch Fragen und die darauffolgenden Gespräche zu schauen, wo sich das ungeahnte volle Potenzial einer Organisation, eines Unternehmens und vor allem der beteiligten Menschen befindet. Zugrunde liegt die These, dass Organisationen sich immer in die Richtung dessen entwickeln, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten. Durch den wertschätzenden Umgang bei der Strategie- und Visionsbildung soll das Potenzial einer Organisation voll ausgeschöpft werden.

Die vier Phasen

Die Appreciative Inquiry wird vorwiegend als Großgruppenmethode eingesetzt. Sie wird zum Beispiel von Konzernen genutzt, um für einzelne Projekte oder Abteilungen eine gemeinsame Vision und Handlungsstrategie zu erarbeiten.

In der Methode gibt es vier Schritte:

  • 1) Discovery – das Beste von dem, was ist
  • 2) Dream – die Möglichkeiten & Chancen der Zukunft
  • 3) Design – was sollte sein, der ideale Zustand wird konkretisiert
  • 4) Destiny – was wir tun werden, die Umsetzungsplanung.

Der Mehrwert der Appreciative Inquiry

Mir gefällt die Methode, weil sie das Positive hervorhebt und betrachtet. Im unternehmerischen Kontext wird oft sehr analytisch auf die Prozesse und auch die eigene Organisationsentwicklung geschaut. Leider bremst dabei die fehlende Wertschätzung des vorhandenen Potenzials und das Nicht-Einbeziehen der Mitarbeiter die Kraft des visionären Denkens. Das möchte die Appreciative Inquiry ändern.

Gerade durch die ersten zwei Phasen der Appreciative Inquiry, die durch einen Fragebogen abgebildet werden, gelingt es der Methode, anders anzusetzen und mit einem neuen Blickwinkel stärken-orientiert in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schauen.

Der Fragebogen der Appreciative Inquiry

Aus meiner Sicht funktioniert der Fragebogen nicht nur für große Gruppen, sondern auch für individuelle Projekte sehr gut. Ich habe die Methode bisher in interdisziplinären Projekten, in der Arbeit mit Gruppen und mit Einzelpersonen erfolgreich genutzt. Die allgemein gehaltenen Fragen laden dazu ein, sich auf die eigenen Stärken und Ressourcen zu konzentrieren und davon ausgehend ein stimmiges Zukunftsbild zu entwickeln.

Es empfiehlt sich, die Fragen gemeinsam mit einer anderen Person zu beantworten und zu besprechen. Im Gespräch bekommen die Fragen bzw. die Antworten noch einmal mehr Raum, als wenn sie einzeln schriftlich beantwortet werden.

Discovery-Prozess

Der Fragebogen lässt sich auf die konkrete Situation anpassen. Die empfohlenen Fragen für den ersten Schritt, den Discovery-Prozess, sind:

  • 1. Wie bist Du zu Deiner Tätigkeit gekommen? Was begeistert Dich daran?
  • 2. Bitte erinnere Dich an einen Zeitraum, der für Dich ein perfekter Moment war. Eine Zeit, in der Du Dich besonders wohl und lebendig gefühlt hast: Was ist da geschehen? Welche Hindernisse hast du überwunden?
  • 3. Ohne Dein Licht unter den Scheffel zu stellen, … was ist Dir in Deinem Job besonders gut gelungen? Worauf bist Du stolz?

Das Zukunftsbild

Die Entwicklung des Zukunftsbildes, den Prozess des Dreams, erfolgt mit den Fragen:

  • 4. Mit Blick auf Deine Zukunft: Was versuchst Du zu machen? Welches sind Deiner Meinung nach die Schlüsselfaktoren, die Dich unterstützen?
  • 5. Wenn Du Deine Arbeit weiterentwickeln oder radikal verändern könntest, welche drei Dinge würdest Du tun, um die Kraft den Erfolg von beidem nachhaltig zu steigern?
  • 6. Es ist das Jahr 2025 und Du bist überaus erfolgreich geworden. Was hat sich verändert?

Die Fragen erscheinen relativ einfach und reichlich unkonkret, was bei der Beantwortung durchaus irritierend sein kann. Mir gefällt, dass die Fragen sehr positiv formuliert sind. Gleichzeitig sind sie sehr allgemeingültig, die Ergebnisse sind jedoch und vielleicht gerade deswegen sehr vielfältig.

Wenn sich alle Beteiligten auf die Fragen einlassen, dann entsteht eine wertschätzende Kommunikation, die sehr viel Energie und Impulse freisetzt. Durch die eigenen Antworten merkt man sehr gut, was einem Spaß macht und womit man sich künftig stärker beschäftigen möchte.

Fazit

Bei der Methode der Appreciative Inquiry fasziniert mich gerade der Fragebogen wegen seinen Fragen, die wir uns im Alltag in dieser Form nicht stellen würden. Es lohnt sich, sich die Zeit für das Beantworten zu nehmen, um zu erkennen, welchen Dingen und Aktivitäten du mehr Raum geben möchtest.

Ich habe diese Fragebogen in der Arbeit mit anderen in Vergangenheit oft genutzt. Es war faszinierend, wie diese doch recht einfachen Fragen zu einer sehr wertschätzenden Grundhaltung einer Gruppe und AHA-Effekten bei Einzelpersonen geführt haben.

Die Fragen helfen dabei, den Prozess des Träumens einzuleiten und einen etwas anderen Blick für die Zukunft zu gewinnen. Gerade wenn es darum geht, ein Projekt neu aufzusetzen oder ein Vorhaben neu anzugehen, ist die Appreciative Inquiry geeignet. Mehr Informationen zum Ansatz findest du im Buch „The Power of Appreciative Inquiry“ (Werbung).

Damit die Träume zur Realität werden, ist es im nächsten Schritt wichtig, den Idealzustand zu definieren. Mit dem Blick auf den idealen Zustand und die Frage „was brauche ich, um dorthin zu kommen?“, lassen sich die weiteren Handlungsschritte ableiten und dann Schritt für Schritt angehen.

P33 Appreciative Inquiry


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