2019-11-15

Kolbe Test, die Konation & ein Selbstversuch

Kolbe Test – der Selbstversuch

Vor ein paar Monaten bin ich auf einen Test mit einem etwas anderen Ansatz gestoßen: den Kolbe Test (unbezahlte Werbung). Der Kolbe Test ist kein Persönlichkeitstest. Er testet die Konation, das heißt er beurteilt, wie du eine Handlung vornimmst.

Neben den kognitiven analytischen Prozessen und den affektiven Vorgängen, den Emotionen, leben wir auch eine konative Intelligenz. Bei dem Kolbe Test geht es um diese Perspektive: Wie tust du die Dinge im Alltag? Wie gehst du sie an? Die Testergebnisse werden stärkenorientiert betrachtet und es werden Handlungsempfehlungen gegeben.

Aus Interesse und einer Portion Neugier habe ich den Test gemacht. Für mich fühlt sich das Ergebnis sehr stimmig an. Ich hatte den ein oder anderen Aha-Effekt. Eventuell ist es genau das, was auch bei einem Persönlichkeitstest passiert (Barnum-Effekt?! :)).

Getestet werden bei dem Kolbe Test vier Herangehensweisen:

  • 1. Factfinder, das heißt, die Art, wie wir Informationen sammeln und teilen.
  • 2. Follow through, die Art, wie wir die Dinge organisieren.
  • 3. Quickstart, wie wir mit Risiko und Unsicherheit umgehen.
  • 4. Implementation, wie wir die Sache angehen.

Der Test und die Ergebnisse sind auf Englisch.

Es gibt jeweils eine Punktzahl bis zu zehn Punkten und zu jedem der vier Teile kleine Handlungsempfehlungen.

Meine Testergebnisse als Beispiel

Ich bekam im Fact Finder vier Punkte. Es folgte die dezidierte Auswertung, laut der ich ich eher der Typ bin, der die Dinge erklärt. Ich abstrahiere Inhalte nicht allzu sehr und gehe auf der anderen Seite auch nicht sehr stark ins Detail. Anstatt dessen entwickle ich einen guten Überblick darüber, was wichtig ist und erkläre dazu, wenn gewünscht, die nötigen Details.

Beim nächsten Punkt, dem Follow Through, hatte ich eine sehr geringe Punktzahl. Laut Test arbeite ich bei meiner Organisation im Alltag viel mit Shortcuts und Multitasking. Es sind eher andere, die dafür sorgen, dass Systeme beibehalten werden oder die an tollen Lösungen tüfteln, um die Dinge gut zu organisieren. In der Tat ist das nichts für mich. Insofern stimme ich auch mit dem Punkt überein, dass mir eine übermäßige Bürokratisierung von Prozessen und zu erledigenden Schritten nicht allzu viel Freude macht.

Dass es Menschen gibt, die eben nicht so arbeiten wie ich und ich in dem Punkt anders ticke, war mein erster Aha-Effekt. Wenn es um produktives Arbeiten geht, dann ist der Konsens oft, sich eine Liste zu machen und diese störungsfrei nacheinander abzuarbeiten. Ich arbeite sehr gern projektübergreifend und an mehreren Projekten „gleichzeitig“. Insofern war es für mich fast eine Erleichterung, dass es okay ist, so zu arbeiten, wie ich es tue und dass diese Herangehensweise auch produktiv sein kann.

Meine höchste Punktzahl habe ich beim dritten Teil, dem Quickstart, erreicht. In der Praxis gehe ich demzufolge meine Inhalte und Dinge sehr stark durch Experimentieren und Ausprobieren an. Außerdem generiere ich zur Lösung immer wieder neue kreative Ideen.

Das mag für mein Umfeld keine Neuigkeit sein. Für mich war die Tatsache, es jedoch einmal schwarz auf weiß zu lesen, schon eher überraschend. Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Ideen und kreative Herangehensweise auszeichnet – auch wenn das im Grunde für Außenstehende absolut eindeutig ist. Die Empfehlungen für mich sind, dass nonkonformes Verhalten für mich durchaus eine Option ist. Ich sollte außerdem auch nicht unbedingt versuchen, mich selbst vorherzusagen.

Der vierte Punkt, die Implementation, war für mich mit Punkten im Mittelfeld der Skala nicht allzu spannend.

Weitere Auswertungsdetails

In der weiteren Auswertung zeigt eine Energiepyramide die Gewichtung der vier Elemente in Form einer anderen Darstellung. Es wird auch darauf hingewiesen, dass jeder Mensch nicht ausschließlich eine der vier Varianten zeigt. Jeder trägt eine Kombination dieser vier Vorgehensweisen in sich und wendet sie in verschiedenen Kontexten unterschiedlich an.

Meinen dritten Aha-Effekt hatte ich zuletzt bei der Darstellung, wie man eine Aufgabe bearbeitet, wenn die Bedingungen so sind, dass man seine Stärken maximal einsetzen kann.

Zu Beginn einer neuen Aufgabe steht bei mir ein Brainstorming zur Ideensammlung von Lösungsmöglichkeiten. Als nächstes schaue ich mir die Varianten an und recherchiere mehr Informationen. Danach prüfe ich sie auf Machbarkeit, wie hoch die Kosten sind und welche Vorteile die einzelnen Varianten mit sich bringen. Welche Möglichkeiten gibt es, um schließlich zum Ziel zu kommen? Für mich ist das ein sehr logischer Vorgang. Aus der Arbeit mit Teams weiß ich, dass die Reihenfolge für das Team nicht unbedingt logisch sein muss. Die Inhalte in der Form abzuarbeiten, kann für andere sehr irritierend sein. Vor allem mit denjenigen, die eine ganz andere Systematik verfolgen, führt diese Vorgehensweise im schlechtesten Fall zu Konflikten – es sei denn, man findet gemeinsame Synergien.

Am Ende der Auswertung folgten dann noch einmal Tipps und Handlungsempfehlungen. Ich bekam z. B. den Hinweis, dass mir Sprechen eher liegt als Schreiben. Prompt dachte ich an den Podcast, den ich schon einige Monate vor meinem Blog angehen wollte.

Fazit

Der Kolbe Test hat mir mit der Auswertung, den Hinweisen und den Tipps in einigen Punkten Klarheit gebracht. Bei den klassischen Persönlichkeitstests, die ich auch für das ein oder andere Bewerbungsgespräch absolvieren musste, war das in der Vergangenheit nicht der Fall.

Ich glaube nicht, dass es solche Tests zur Einschätzung der Persönlichkeit oder der Konation wirklich braucht. Allerdings kann ein externer Blick oder Test dabei unterstützen, zu erkennen, was uns von anderen unterscheidet und wo unsere eigenen Besonderheiten und Stärken liegen können.

Ein Test bietet dir bei Bedarf Raum für Reflexion. Die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen schärft dein Bewusstsein. Idealerweise hilft das Resultat, dir bewusst zu machen, wo du anderen Unterstützung bieten kannst und in welchen Bereichen es Sinn macht, sich von anderen unterstützen zu lassen.

P37-kolbe-test


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