2019-12-27

Wer ist dein Alter Ego?

Im vergangenen November fand wie die letzten zwei Jahre der Youpreneursummit in London statt und ich war wie letztes Jahr erneut dabei. Neben dem Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmern freute ich mich die Keynote von Todd Herman live zu erleben. Todd ist ein Mentalcoach für Profisportler, High Achiever und erfolgreiche Unternehmer.

Der Schwerpunkt von Todds Vortrag war der Alter Ego Effekt. Für mich war interessant, dass sich erfolgreiche Sportler und Unternehmer ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit dem Erwerb von Wissen beschäftigen. Vielmehr geht es ihnen um das mentale Spiel und das eigene Mindset, das sie stetig fordern und entwickeln. Todds Vortrag war spannend und erkenntnisreich, wenngleich relativ theoretisch. Ich probiere dennoch mein neues Wissen mit dir zu teilen.

The alter ego effect

Streben nach Sicherheit

Sicherheit ist nach Herman eins der Bedürfnisse, nach denen jeder Mensch unbewusst oder bewusst strebt, unabhängig von dem und was man denkt erreichen zu wollen. Der Wunsch nach Sicherheit hält demnach jeden zurück, die Sachen zu tun, die man wirklich tun will.

Es gibt eine Diskrepanz zwischen Denken und Tun, wofür zwei Dinge verantwortlich sind: Unsere Wahrnehmung von der Welt und die „versteckten Kräfte“ wirken negativ auf uns ein. Beispiele für versteckte Kräfte sind Ahnengeschichten, Traumata und das Imposter-Syndrom.

Das veränderliche Selbst

In der außergewöhnlichen Welt, wie Todd sie nennt, hat jeder die Möglichkeit so zu leben und wahrgenommen zu werden, wie er es möchte. Dieser These liegt die wissenschaftliche Theorie des Selbst zugrunde, das veränderbar ist und sich auf sein Umfeld anpasst. Demzufolge besitzt jeder Mensch verschiedene Versionen von sich selbst statt eines einzigen authentischen Selbst.

Als Beispiel dient ein Sportler, der sehr emotional ist. Die Emotionen spürt er auch auf dem Spielfeld, wo er zu Wutanfällen neigt, die ihn daran hindern seine Fähigkeiten maximal zu zeigen. Des öfteren wird er aufgrund seiner Wutausbrüche disqualifiziert. Mithilfe seines Mentors hat sich der Spieler überlegt, wie er auf dem Spielfeld erscheinen möchte. Um das Bild des neuen Selbst zu verstärken hat der Sportler eine Maske herausgesucht, die das symbolisiert, was auf dem Spielfeld braucht: sein emotionsloses Selbst. Von da an verbindet sich der Sportler jedes Mal vor einem Spiel mit der Maske und startet erst danach seinen Weg auf das Spielfeld. Tatsächlich hilft ihm die Unterstützung „personalisiert“ durch die Maske dabei, bei seinen Spielen sein bestes Ich zu zeigen und frei von Emotionsausbrüchen in den Wettkampf zu gehen.

Entstehung des gewünschten Selbst

Todd fasste zusammen, dass du das Selbst, in das du von außen hinein geformt wurdest, manchmal sterben lassen musst. Danach kannst du die Person werden, die du sein möchtest. Das ist kein einfacher Prozess, weil dafür alte Denkmuster und Verhaltensgewohnheiten zu überwinden sind.

Um den Prozess anzustoßen, definierst du zuerst einen Lebensbereich, in dem du dich künftig anders aufstellen möchtest als in der Vergangenheit. Als nächstes erstellst du eine Liste von Super-Power-Kräften, die dir helfen in der gewünschten Situationen dein neues Selbst zu werden. Du kannst dich bei der Suche nach Eigenschaften von Personen oder Tieren inspirieren lassen: welche Eigenschaften hättest du gern? Was bewunderst du besonders?

Totems für das neue Selbst

Im dritten Schritt heißt es, das neue Selbst spielerisch anzunehmen. Hilfreich ist es, Totems für die neue Identität zu definieren. Mit einem Totem, das du zum Beispiel in Form von Kleidung trägst, kannst du dein neues Ich manifestieren. In Todds eigenem Fall ist das die Brille. Er hat lange Zeit eine Brille getragen, die er eigentlich gar nicht benötigte. Er dachte, keiner würde ihn als jungen Mann in seinem Job als Coach ernst nehmen. Er fing daraufhin an, eine Brille zu tragen. Sie half ihm, sich selbstbewusster und anerkannter zu fühlen. Etliche Zeit später fand er übrigens heraus, dass Martin Luther King auch eine Brille getragen hat – aus demselben Grund wie er.

Todd erwähnte in dem Zusammenhang eine wissenschaftliche Untersuchung, die zeigt, dass Brillenträger klüger werden. Jeder, der eine Brille aufsetzt, ist ab dem Zeitpunkt der aufgesetzten Brille 10 bis 15 IQ-Punkte klüger als ohne Brille. Das Beispiel deutet an, welche Veränderungen unseres Selbst möglich sind. Ich finde diesen Fakt ziemlich beeindruckend, leider fehlt mir persönlich jedoch die Quelle für die wissenschaftliche Untersuchung.

Abschließend ist zu sagen, dass es bei allem Umgang mit unseren vielen Ichs wichtig ist, in Kontakt mit sich und seinem inneren Kind bleiben, es zu nähren und zu würdigen. Dann erreichst du viel mehr, als du dir im Moment vorstellen kannst.

Fazit

Mir hat es Spaß gemacht, mich mit meiner Teilnahme am Youpreneursummit wieder in ein neues Terrain zu begeben. Neben kleinen Mastermindrunden gab es Zeit für Networking und interessante Vorträge. Der Vortrag von Todd Herman hat mir sehr gut gefallen. Herman hat einen Impuls gegeben, was mit den richtigen mentalen Strategien alles möglich ist und wozu uns ein Coach – ein externer oder aber unser innerer – befähigen kann.

Wenn dich das Thema interessiert, dann findest du in Todds Buch „The Alter Ego Effect“ mehr Informationen.


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