2020-01-17

Mit Storytelling Wissen sichern

Storytelling ist das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, miteinander zu kommunizieren und neben Informationen auch Emotionen auszutauschen. Es eignet sich deshalb bestens in der Unternehmenskommunikation mit Kunden und Mitarbeitern.

Unser Gehirn denkt in Bildern. Geschichten helfen dem Gehirn, denn sie geben ihm Bilder. Das macht es so wirksam, Geschichten für das eigene Unternehmen zu nutzen.

Ich habe kürzlich zwei Vorträge per Graphic Recording begleitet. Die dabei entstandenen Sketchnotes fassen die Inhalte zusammenfassen und verdeutlichen gleichzeitig die vielseitigen Einsatzöglichkeiten des Storytellings.

Beide Referentinnen, Dr. Claudia Löschner und Birgit Jäckel, sprachen zum Storytelling, jedoch waren die Perspektiven sehr unterschiedlich. In den kommenden zwei Blogartikeln werde ich die Inhalte und die entstandenen Sketchnotes näher darstellen.

Die Rolle des Langzeitgedächtnisses

Löschner beleuchtete in ihrem Vortrag insbesondere den theoretischen Hintergrund des Storytellings und gab danach einen Überblick über die Nutzungsmöglichkeiten in Unternehmen.

Storytelling in Unternehmen

Unser Langzeitgedächtnis verfügt über ein Wissensgedächtnis, das sich in zwei Bereiche unterteilt:

  • 1. das semantische Gedächtnis
  • 2. das episodische Gedächtnis

Das semantische Gedächtnis enthält unser Wissen in Form allgemeiner Fakten. Es lässt sich somit als „Faktenwissen-Gedächtnis“ bezeichnen. Das „episodische Gedächtnis“ hingegen speichert Geschichten, die mit Erlebnissen des eigenen Lebens in Verbindung stehen. Beide Gedächtnisse stehen sich manchmal gegenüber, ergänzen sich jedoch eigentlich. Sie sorgen dafür, dass du Fakten gut wahrnimmst und auf der anderen Seite das Wissen mit deinen eigenen Erlebnissen verknüpfst.

Das Storytelling nutzt narrative Strukturen. Sie ermöglichen dem Empfänger der Geschichte, sich emotional mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Die neuesten Forschungsergebnisse zu Spiegelneuronen bestätigen, dass beim Betrachter oder Zuhörer dieselben Gefühle ausgelöst werden. Der Zuhörer reagiert also mit emotionaler Betroffenheit und Empathie. Geschichten ermöglichen es somit den Zuhörern, sich mit den Personen der Geschichte zu identifizieren.

Storytelling als Wissensmanagement-Methode

Löschner zeigte im weiteren Verlauf ihres Vortrags auf, wie Unternehmen Storytelling für ihre interne Kommunikation nutzen können.

Das Storytelling dient als eine Kommunikationsmethode, mit der Informationen, Wissen und Meinungen vermittelt werden. Die Informationen werden dann durch Sprache oder multimediale Kanäle, wie Videos, geteilt.

Oft nicht genug betrachtet ist das zweite Element des Storytellings: das Storylistening. Das heißt, neben dem aktiven Erzählen einer Geschichte, spielt das Hören von Geschichten eine wichtige Rolle. Indem ein Unternehmen Mitarbeitern ermöglicht, den im Haus erzählten Geschichten auch zuzuhören, verschafft es den Geschichten und dem Wissensaustausch Gehör. Bemerkenswert ist, dass ein Unternehmen mit einfachen Maßnahmen, beispielsweise der Integration einer Kaffeeecke, Storytelling bereits wesentlich begünstigen kann. Die Mitarbeiter tauschen sich über ihre Themen aus und geben dabei auch ihr eigenes Erfahrungswissen weiter. Dieses Erfahrungswissen von Mitarbeitern ist oft eine wichtige Ressource für Unternehmen.

Wenn der Austausch gefördert wird, erzählen sich Mitarbeiter ihre Geschichten und Erfahrungen. Das kann für ein Unternehmen für die Wissenssicherung und die Innovationskraft von entscheidender Bedeutung sein. Fakten und Prozesse sind in Unternehmen oftmals dokumentiert, das Wissen einzelner Mitarbeiter hingegen nicht.

Einsatzmöglichkeiten in Unternehmen

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um Storytelling in Unternehmen einzusetzen. Im Vortrag wurden insbesondere die folgenden Methoden und Optionen skizziert:

Storystorming

Storystorming ist ein Workshopformat, bei dem die Teilnehmer sich gegenseitig spezifische Geschichten aus ihrem Arbeitsalltag erzählen. Die Geschichte wird dabei visualisiert, indem das Subjekt der Geschichte, das Verb und das Objekt auf Haftnotizen festgehalten werden. Mehr Informationen zur Methode findest du hier.

Teammeetings

Das Erzählen von Geschichten aus dem Arbeitsalltag ermöglicht in Teammeetings einen Austausch von Wissen, bei dem der Erfahrungsgewinn in den Vordergrund rückt.

Change Management

Geschichten unterstützen Veränderungsprozesse in Unternehmen und führen zu mehr Engagement der Mitarbeiter.

Mediation

Bei Konflikten bietet es sich an, mit Geschichten zu arbeiten. Das hat den Vorteil, dass mit den Bildern die Emotionen angesprochen werden und so ein neuer Raum für Lösungen entstehen kann.

Wann Geschichten funktionieren

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Geschichten am besten funktionieren, wenn sie wirklich erlebt wurden. Wenn die erzählte Geschichte einen realen Bezug hat, dann ist sie meist glaubwürdiger, als wenn es sich um eine ausgedachte Geschichte handelt. Ein gängiges und gut funktionierendes Modell für das Storytelling ist die Heldenreise.

Löschner fasste abschließend zusammen, dass es völlig ausreichend ist, Fragmente einer Geschichte zu erzählen. Es muss nicht immer eine komplette Geschichte erzählt werden. Manchmal reicht es völlig aus, mit Teilen einer Geschichte, Wissen zu vermitteln und mit den Zuhörern in Verbindung zu treten.

Das war Teil eins der Trilogie zum Storytelling. Wie Unternehmer Geschichten in der Kommunikation nach außen nutzen können, berichte ich in der kommenden Woche im Blog.


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